Gedichte in einer Gedichtesammlung Rielke
Blaue Hortensie
So wie das letzte Grün in Farbentiegeln
sind diese Blätter, trocken, stumpf und rauh,
hinter den Blütendolden, die ein Blau
nicht auf sich tragen, nur von ferne spiegeln.
Sie spiegeln es verweint und ungenau,
als wollten sie es wiederum verlieren,
und wie in alten blauen Briefpapieren
ist Gelb in ihnen, Violett und Grau;
Verwaschenes wie an einer Kinderschürze,
Nichtmehrgetragenes, dem nichts mehr geschieht:
wie fühlt man eines kleinen Lebens Kürze.
Doch plötzlich scheint das Blau sich zu verneuen
in einer von den Dolden, und man sieht
ein rührend Blaues sich vor Grünem freuen.
?
Buddha
Schon von ferne fühlt der fremde scheue
Pilger, wie es golden von ihm träuft;
so als hätten Reiche voller Reue
ihre Heimlichkeiten aufgehäuft.
Aber näher kommend wird er irre
vor der Hoheit dieser Augenbrauen:
denn das sind nicht ihre Trinkgeschirre
und die Ohrgehänge ihrer Frauen.
Wüsste einer denn zu sagen, welche
Dinge eingeschmolzen wurden, um
dieses Bild auf diesem Blumenkelche
Aufzurichte: stummer, ruhiggelber
als ein goldenes und rundherum
auch den Raum berührend wie sich selber.
?
Buddha in der Glorie
Mitte aller Mitten, Kern aller Kerne;
Mandel, die sich einschliesst und versüsst, -
dieses Alles bis an alle Sterne
ist dein Fruchtfleisch: Sei gegrüsst.
Sieh, du fühlst, wie nichts mehr an dir hängt;
im Unendlichen ist deine Schale,
und dort steht der starke Saft und drängt.
Und von ausssen hilft ihm ein Gestrahle,
denn ganz oben werden deine Sonne
voll und glühend umgedreht.
Doch in dir ist schon begonnen,
was die Sonne übersteht.
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